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Ich liebe ja das "Fan-Sein". Ich bin Fan von Schuhen, Schokolade,
dem FC Bayern, Günter Grünwald, billigen Klamotten, Collin Farrell, Lederhosen,
bayrischer Tradition, Tanzen, Lachen, Alice im Wunderland, Good Charlotte,
James Bond, Mit-den-Zehen-im-Gras-Wühlen, Museen, Rockmusik, Goethe und
meiner Familie. Ich bin gerne Fan. Seit ein paar Wochen bin ich zudem
Football Fan der Taufkirchen Lions, meinem roten Nagellack und der Vorstellung,
einen Hund zu haben (den ich laut Aussage meines Schatzes wohl nicht bekommen
werde); ich freue mich unbandig über meinen neuen Rock und zelebriere
mein Urlaubs-Cocktail-Bar-Fan-Dasein. Doch eines dürfen wir auf keinen
Fall vergessen: ich bin auch Fan der Spider Murphy Gang.
Mein Fan-Leben als Spider Murphy Gang-Anhänger gestaltet sich relativ
ruhig, es gibt keine morgendlichen Exzesse vor überlebensgroßen Postern,
ich küsse keines der Band-Mitglieder auf ihr Platten-Cover-Gesicht und
werfe auch keine Unterwäsche, wenn ich auf einem Konzert bin. Ich falle
nicht in Ohnmacht, wenn ich sie im Fernsehen sehe und bin auch nicht verliebt.
In keinen von ihnen. Ich ziehe mich nicht so an wie die Jungs, ich übernachte
nicht Wochen vor einem Konzert schon vor dem Heustadl und ich bin auch
nicht willens, mir einen Liedtext oder einen Bandmitgliedsnamen auf meinen
Allerwertesten tätowieren zu lassen. Und trotzdem bin ich Fan. Und das
nicht nur aus einer Modeerscheinung heraus oder aus einer hormonellen
Schwankung. Nein, aus Überzeugung.
„Skandal im Kloster“ hieß das Open-Air-Konzert in Benediktbeuern, das
tatsächlich mitten im Innenhof des Klosters stattfand. Seit Wochen befand
ich mich in einem kochend-brodelnden Vorfreude-Zustand und bibberte täglich
mit der Wettervorhersage für meinen Spider Murphy Gang-Tag. Und: wir hatten
Glück. Es war nicht nur warm und trocken, nein es war selbst abends um
zehn Uhr noch richtig mild. Dass wir ein paar durchgeknallte Wahnsinnige
dabei hatten (hier ein Gruß an Benny und Karin) sei nebenbei auch noch
erwähnt, denn wir waren die bei Weitem lauteste und peinlichste Reihe
des ganzen Konzertes. Man kann von Glück reden, dass ich Sitzplatz-technisch
am anderen Ende des Benny-Karin-Spektakels untergebracht war, und konnte
so - herzhaft lachend – einer Freundin mit weniger Glück in der Sitzplatzzuteilung
beim Fremdschämen zusehen.
Kurz nach acht ging es los – sehr pünktlich also und sehr zu unserer Freude.
Auf die Jungs ist eben Verlass. Auch das Publikum benahm sich zivilisiert
und angemessen – haltlose Freudeattacken mit herausgeschrienen Äußerungen
der exzessiven Glückseligkeit unterblieben (wenn auch mein innerer Schweinehund
sich minutenlang so aufführte) weitgehend. Statt dessen ertönte immer
mal wieder ein bayrischer Freudenjauchzer, Sänger Günther Sigl unterhielt
sich nett und spontan von der Bühne aus mit der Zuhörerschaft und animierte
zum Mitsingen und Mitfeiern. Gestartet wurde mit einigen Nummern von Chuck
Berry – guter alter Rock’n’Roll, handgemacht, sauber und vor allem: mit
so viel Spaß und Freude an der Musik, dass es uns einfach nicht mehr auf
dem Sitzplatz hielt. Benny und Karin waren mittlerweile an der Grenze
zum Wahnsinn angelangt und rockten mit Sonnenbrillen im Sitzen selbst
zu Balladen und langsameren Liedern, Andrea (sonst über 1,80m groß) war
im Fremdschämer-Modus auf halber Höhe im Boden versunken. Doch als endlich
die guten alten Spider-Songs gespielt wurden, sprangen selbst die überzeugten
Konzert-Sitzer auf. Auch Schatzi, der seinen Sitzplatz auf Konzerten eigentlich
nur unter Androhung von Gewalt verlässt, stand. Ich war so überrascht,
dass mich kurzzeitig im Text von „Renate (Du konnst mi gern hom)“ verhedderte.
Es folgten all die schönen Spider-Lieder, auf die man sich seit Wochen
gefreut hatte: „Schickeria“, „Mia san a bayrische Band“, „Rock’n’Roll
Schuah“, „Wer wird denn woana“ und „Rock’n’Roll Rendezvous“. Susi im Ausnahmezustand.
Was außerdem erwähnt werden muss: Bei den Spiders gibt es nach der Hälfte
des Konzertes noch eine Pause. Wie im Theater. Zeit, um bisln zu gehen,
Zeit, um sich ein Bierchen zu kaufen, Zeit zum Gaffen und sich die Beine
vertreten – und das alles, ohne etwas vom Konzert zu verpassen. Nach der
Pause begann es, ganz leicht zu nieseln – doch die Woodstock-Wetter-Beschwörung
der Band – „No Rain“ – zeigte Wirkung. Bis auf einen nassen Scheitel konnte
ich mich also über gar nichts beklagen (ja, jetzt seid ihr platt…).
Alles in allem also ein tolles Konzert, super Musik, klasse Stimmung und
Rock’n’Roll, wie man ihn sich wünscht: boarisch, zünftig und ausgelassen.
Einmal mehr wurde ich in meinem Fan-Dasein bestätigt – was gibt es Schöneres,
als Musik in der Muttersprache, Publikum in Tracht und Liedern, die man
selbst noch mit 4,7 Promille mitsingen kann.
Dass das Publikum weitgehend in der Altersklasse meiner Eltern war, störte
mich nicht – und ich konnte feststellen: auf jedem Spiders-Konzert mehr,
das ich besuche, wird das Publikum von mal zu mal wieder jünger. Es besteht
also Hoffnung, dass die bayrische und Münchner Jugend wieder zu Geschmack
und Heimatverbundenheit zurückfindet und sich auf das besinnt, was uns
Bayern ausmacht: unter anderem auch die Musik der Spider Murphy Gang.
Außerdem: herrlich, wenn es noch mehr Möglichkeiten als nur die Wiesn
gibt, bei denen man ungestraft und völlig unauffällig seine Tracht anziehen
kann.
In diesem Sinne: „I ziag’s need aus, meine Rock’n’Roll-Schuah“…!
vielen Dank an SusiSusanna
www.bayrische-quadratratschn.de
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